Adler

Adler, Vogel der Freiheit

Flieg großer Adler,
Vogel der Freiheit,
breite deine Flügel
über das Bauvolk der neuen Zeit.
Steig auf
zum dritten Male
im sich´ren Bewusstsein den Sieg.
Weiche nicht
dem Donner der Kanonen
mit denen man auf dich zielt.
Lass deinen Ruf ertönen
der kündet von Helden
die gekämpft und gefallen
für die große Idee.
Flieg voran,
den tausenden Kämpfern
die ohne Rast und Ruh
verkünden die Wahrheit
Flieg voran,
den Massen die bald
ziehen auf allen Straßen
und kämpfen für die Freiheit
Flieg auch durch dunkelste Nacht,
denn du weißt,
auf die Nacht folgt ein Morgen,
der Sonnaufgang so strahlend wie nie.
Senke dann deine Flügel
und lausche den Sängen
angestimmt von Männern und Frauen
die künden von deinem Siege.

(Robert Lusza)

 

 

Panther

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
(Rainer Maria Rilke)

 

 

Der Tiger

Tiger, Tiger, Glut und Pracht
Tief in Wäldern dumpfer Nacht,
Welch Unsterblicher schuf sie:
Deine grause Symmetrie?
In welch unermessner Ferne
Brannten deiner Augen Sterne?
Welche Hand besaß den Mut,
zu berühren solche Glut?
Welcher Arm zog in dein Herz
Sehnen aus getriebenem Erz?
Als es schlug, wer hielt ihm stand,
Wessen Fuß und wessen Hand?
Welcher Hammer? Welche Kette?
Wer zog aus der Feuerstätte
Dein Gehirn? Wer durfte wagen
Aus dem Amboss dich zu schlagen?
Als der Sterne Licht sich senkte,
Tränenflut den Himmel tränkte,
Freute er des Werkes sich?
Der das Lamm schuf, schuf er dich?
Tiger, Tiger, Glut und Pracht
Tief in Wäldern dumpfer Nacht,
Welch Unsterblicher darf sie
Schaffen, deine Symmetrie?
(William Blake)

 

 

Das Auge der Schlange

Kennst Du die Sage wohl von jener Schlange,
Der sichrer Tod im Blick des Auges liegt!
Der Vogel, der sie ansieht, wirr und bange,
Fällt starr vom Zweig, auf dem er sich gewiegt.

Das Häschen, das geduckt im Grase lauschet,
Von ihrem Anschaun wundersam umstrickt,
Wird willenlos und zauberhaft berauschet,
Und stirbt, sobald ihr Aug es angeblickt.

Sie aber glänzt in bunten Farbenringen,
Und achtet nicht der Beute, die sie hält,
Die Macht nur ists, der Sieg und das Gelingen,
Es ist das grause Spiel, das ihr gefällt.

So bist auch Du! Dein Bild ists, das ich male,
Der dunkeln Sterne unglückselge Pracht;
Mit ihrem Glanz, mit ihrem Zauberstrahle,
Mit ihrem Reiz, mit ihrer Todesmacht!

Doch nein! verzeih - wie glichst Du diesem Bilde!
Wie tödlich auch das dunkle Auge blickt,
Ist nicht sein Licht tiefsinnig, hold und milde?
Ists seine Schuld, dass es mit Tod umstrickt?

Spricht es nicht mitleidsvoll: geht, bleibet ferne,
Ihr dauert mich und Euer Missgeschick;
Ihr kennt sie nicht, die unheilvollen Sterne,
Sie töten, wenn Ihr naht, drum weicht zurück!

Und wenn ein tief verhängnisvoll Gelüsten
Sie dennoch treibt, wie wär es Deine Schuld?
Du machtest gern der Armen Leben fristen,
Denn Du bist sanft und süß, und voller Huld!

Lass sie gewähren! Selig, wem zu sterben
Im Himmel Deines Blicks ein Gott beschert!
Den süßen Tod, wer möcht ihn nicht erwerben;
Doch wer ist wohl ihn zu erwerben wert?
(J.CH. Freiherr von Zedlitz)

 

 

Die Schlangen

Den schwarzen Weiher lieben die Schlangen,
Aber sie wohnen nicht darin.
Manchmal nur durchschwimmen sie ihn.
Wo wohnen die Schlangen? Im Gestrüpp? Im Laub?
Im Staub der Waldblöße? Im heißen Dickicht?
Den langen Landregen mögen sie nicht.
Am Abend, im Sommer,
Da tanzt in der Sonne
Der Mücken glasgeflügelte Schar.
Da sieht man die Frösche die Mücken fangen,
Im offenen Sprung, im goldenen Licht,
Wies ihrer Sippe Sitte schon immer war.
Aber die Schlangen
Tun das ihrig unsichtbar.
(Georg Britting)

 

 

Raumschiff Erde

Seit Urzeiten, seit dem großen Knall,
jagt die Erde durch das endlose All.
Diese Reise durch Raum und Zeit
erfolgt in rasender Geschwindigkeit.
Und doch dauert die Fahrt unendlich lang,
denk ich dran, wird mir manchmal bang,
Denn obwohl ich nur Gast einer Etappe bin,
behalt ich doch auch das Ganze im Sinn.
Niemand hat jemals das Ziel genannt,
den Klügsten selbst, ist es unbekannt !
Am Abend die Myriaden der Sterne,
sie blinken sehr kalt in der Ferne.
Noch scheint uns auch die Sonne,
sie wärmt uns, welch eine Wonne.
Doch eines Tags wird verlöschen das Licht,
was dann ? Wir wissen es nicht !
Und gleichgültig, was wir Winzlinge machen,
aus der Leere hört man der Götter Lachen!
(Reinhard Horber)

 

 

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