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30 Milliarden Euro an Steuergeldern werden schätzungsweise Jahr für Jahr verschwendet. Hier ein paar Fälle aus dem Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler |

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Schwarzbuch 2006
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zum Schwarzbuch 2004
ältere Fälle
Brücke ohne Anbindung
Die Brettachtalbrücke in Neuenstadt bei Heilbronn wurde im Sommer letzten
Jahres fertiggestellt. Benutzt werden kann sie jedoch nicht, da es
voraussichtlich noch bis Ende 2007 dauern wird, bis es eine Anbindungsstraße
gibt. Interessant auch die Begründung für die Verzögerung: Die zuständige
Behörde habe wegen dringenderer Projekte keine Zeit für die Fertigstellung des
Brettachtal-Vohabens gehabt.
Schmutzige Gehwegplatten
In Hamburg sollte die Flaniermeile "Jungfernstieg" neu gestaltet und aufgehübscht
werden, unter anderem mit dem Ziel, dort auch Volksfeste abhalten zu können.
Die Stadt Hamburg war bereit, vier Millionen Euro beizusteuern. Die restlichen
elf Millionen sollten durch Spenden aufgebracht werden. Nach Abschluss der
Arbeiten stellte sich heraus, dass das 550.000 Euro teure helle Pflaster der
Marke Jungfernstieg viel zu schmutzempfindlich ist. Eis, Saft, heiße Speisen,
das Laub der Silberlinden und natürlich Kaugummis hinterlassen hässliche
Flecken. Allein die Reinigung der Platten vom Kaugummi kostet jedes Mal bis zu
40.000 Euro.
Mickerige Spenden bei Sport-Gala
Eine Sportgala zugunsten des UNICEF-Kinderhilfswerks in Südafrika, organisiert
von der hessischen Landesregierung wurde ebenfalls zum Flop für den
Steuerzahler. Vergleichsweise läppische 20.000 Euro an Spenden kamen dabei
zusammen. Nicht gerade ergiebig im Vergleich zu den 180.000 Euro, die die
Ausrichtung der Gala die Stadt Wiesbaden, die landeseigene Hessen-Agentur und
die Lotto-Treuhandgesellschaft gekostet hat. Den Kindern in Südafrika wären
mehr geholfen gewesen, hätte man ihnen statt der Spenden gleich die Kosten für
die Ausrichtung der Gala zukommen lassen.
"Überdimensionale" Straßenbahn
Teil des Kasseler "Regiotram-Projektes" war auch die Anschaffung neuer Straßenbahnen.
Dabei wurde jedoch nicht mitbedacht, dass die bisherigen Bahnen 25 Zentimeter
schmaler sind. Um das sichere Aneinandervorbeifahren der neuen Bahnen zu gewährleisten,
mussten etliche Straßen neu gestaltet, Bürgersteige zurückverlegt und Gleise
weiter auseinandergelegt werden. Die endgültige Summe für die Umbaumaßnahmen
steht noch nicht fest, dürfte sich aber auf etliche hunderttausend Euro
belaufen.
Gepfändete Landeszentralkasse
Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern beauftragte einen bekannten
Naturdokumentarfilmer damit, das Jahrhunderthochwasser der Elbe aus dem
Hubschrauber zu dokumentieren und aus dem Material einen Film zu schneiden. Für
die gesamte Arbeit berechnete er 18.297 Euro. Obwohl die Ministerialbeamten den
fertigen Film zuerst abnahmen, weigerten sie sich später, die vertraglich
vereinbarte Summe zu zahlen, da das Material ihrer Auffassung nach nicht die nötige
Qualität besitze und sich außerdem auch nicht vervielfältigen lasse. Den
darauf folgenden Rechtsstreit verlor das Umweltministerium. Trotzdem weigerte es
sich zu zahlen, bis die Landeskonten gesperrt und die Landeszentralkasse gepfändet
wurde.
Grundsteuernachzahlung
Die kleine Gemeinde Clenze im Landkreis Lüchow-Dannenberg verschickte kürzlich
einen Grundsteuerbescheid über sage und schreibe 30 Cent. Da der Hebesatz
angehoben worden war, musste der Besitzer von 5,71 Hektar Wald den genannten
Betrag nachzahlen. Bedenkt man jedoch, dass jeder Steuerbescheid die Verwaltung
durchschnittlich sieben Euro kostet, verliert das Argument des Bürgermeisters
von Clenze, Kleinvieh mache auch Mist, seine Stichhaltigkeit. Der Waldbesitzer
muss also weiterhin zweimal jährlich 1,22 Euro an die Steuerkasse überweisen,
obwohl es für ihn selbst und auch für die Gemeinde günstiger wäre, die
Minibeträge für ein paar Jahre im Voraus zu zahlen. Dies sei aber aus
buchhalterischen Gründen nicht möglich.
Unibibliothek mit Dach-Fehlkonstruktion
Die Magdeburger Otto-von Guericke-Universität erhielt 2003 eine neue
Bibliothek, deren Dach jedoch fehlkonstruiert ist. Im Sommer ist die Bibliothek
zu heiß, im Winter zu kalt und außerdem regnet es hinein. Da eine der
Baufirmen mittlerweile pleite gegangen ist, wird es schwer sein, Regressansprüche
zu stellen. Also wird der Bund die etwa fünf Millionen Euro für die
Dachsanierung aufbringen müssen.
Fehlerhaftes Parkleitsystem
Im Schleswig-Holsteinischen Itzehoe wurde bereits 1994 mit einem Parkleitsystem
experimentiert. 20.000 Euro wurden damals ausgegeben. 1998 wurde es durch ein
funkgesteuertes, dynamisches System ersetzt. Kostenpunkt diesmal: 284.000 Euro.
Hinzu kamen jährliche Betriebskosten in Höhe von etwa 18.000 Euro. Doch da
auch dieses System nicht richtig funktioniert, haben die Stadtoberen das Projekt
kürzlich ganz aufgegeben und sind - zehn Jahre und 500.000 Euro später - zu den guten alten Hinweisschildern zurückgekehrt.
Kreisverkehr mit zu geringem Durchmesser
Verkehrskreise sind, wenn sie denn die richtigen Ausmaße haben, gute
Alternativen zu traditionellen Ampelkreuzungen. Beim Bau zweier Kreisel bei der
Autobahnabfahrt Trappenkamp hatten sich die Planer jedoch offenbar verschätzt.
Für Lastwagen und Sattelschlepper mit Überlänge waren sie zu klein geraten.
Diese zerstörten die Verkehrsinseln und Bordsteine. Die anschließende
Verbreiterung um einen Meter kostete den Steuerzahler 56.000 Euro.
Neues Zuhause fürs Landgericht
Das Mühlhausener Landgericht hatte 1996 einen Bauantrag gestellt, um Gericht
und Staatsanwaltschaft, die bis dahin in verschiedenen Gebäuden untergebracht
waren, zusammenzulegen. Obwohl zunächst in den Haushalt von 2002 mit einem
Kostenumfang von 23 Millionen eingeplant, wurde der Bau wegen der schlechten
Finanzhaushaltslage nicht realisiert. Dann gab es Pläne, den Gerichtsstandort Mühlhausen
ganz aufzulösen, wogegen sich der Landkreis jedoch erfolgreich wehrte.
Mittlerweile sind Gericht und Staatsanwaltschaft wieder in Mietobjekten
untergebracht. Die Kosten für die Vorbereitung der Baumaßnahmen betrugen
3.240.609 Euro. Viel Geld, mit dem sich für einige Zeit die jetzige Miete hätte
bezahlen lassen.

Deutsche Bibliothek in Warschau
Das Deutsche Historische Institut in Warschau benötigte neue Räume für seine
Bibliothek. Trotz Bedenken des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
kaufte die Institutsleitung ein zu kleines Objekt für sechs Millionen Euro. Nun
muss das Gebäude unterkellert werden, um zusätzlichen Raum zu schaffen. Das
wird weitere 600.000 Euro kosten.
Info-Broschüren der Regierung
Viel Geld für sinnlose Informationen - den Vorwurf muss sich die rot-grüne-Bundesregierung
gefallen lassen. Für eine sechsseitige Medienbeilage zum Thema "Agenda
2010 - Deutschland bewegt sich" wurden 522.810 Euro ausgegeben.
Das gilt auch für den Geschäftsbericht der Bundesregierung 2003 / 2004. Für
den 76-seitigen Bildband, gespickt mit vielen Slogans aber wenig Informationen,
musste der Steuerzahler insgesamt 284.000 Euro berappen.
ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München
Bereits 1995 bahnte sich ein finanzielle Fiasko für die ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München
an. Zum Ärger des Steuerzahlers ist dieses auch eingetreten. Aus den
veranschlagten Baukosten von damals 2,7 Milliarden DM sind inzwischen 3,6
Milliarden Euro geworden.
Das Gelände war für das Bauvorhaben nicht geeignet - es mussten zahlreiche
Tunnel gebaut und Erdspalten aufgefüllt werden. Statt über Ingolstadt hätte
die Strecke auch über Augsburg führen können. Das hätte die Fahrzeit um 23
Minuten erhöht, aber über eine Milliarde Euro Steuergelder gespart.
Flughäfen in Mecklenburg-Vorpommern
Auch im Luftverkehr werden Millionen in die Luft gepustet. Seit der
Wiedervereinigung investierte das Land Mecklenburg-Vorpommern fast 122 Millionen
Euro in den Ausbau leer stehender Militärflugplätze für den Passagierverkehr.
Am tatsächlichen Fracht- und Passagieraufkommen wurde schlichtweg vorbeigebaut.
Der Flugplatz Schwerin-Parchim beispielsweise wurde für 35 Millionen Euro
modernisiert - im letzten Jahr wurden 4.671 Fluggäste gezählt.
Parkplatz in Berlin
Ein teures Grundstück leistet sich die hessische Landesvertretung in Berlin.
Sie kaufte dem Bund ein 4.200 Quadratmeter großes Grundstück ab. Kostenpunkt:
8,2 Millionen Euro plus 310.000 Euro Erwerbsnebenkosten. Bis geklärt ist,
welchen Zweck das Grundstück erfüllen soll, wird es zu einem Parkplatz
umgebaut.
Panne bei der BfA
Technik-Pannen machen auch vor Mammutbehörden nicht halt - diese Erfahrung
musste die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) machen. Die
Rentenbehörde hatte bei einer Überprüfung von Kontoverbindungen mit Probleme
zu kämpfen. Darauf bekamen 24.899 freiwillig Versicherte ein Schreiben, dass
ihre Bankverbindung nicht mehr gültig sei. Das erwies sich als falsch. Also
verschickte die BfA erneut 24.899 Schreiben um den Vorfall aufzuklären. Diese
Panne kostete rund 30.000 Euro.
Neues Logo für die Bundesagentur für Arbeit
Als moderner Dienstleister möchte sich die Bundesagentur für Arbeit
darstellen. Das verstaubte Arbeitsamt-Image sollte der Vergangenheit angehören
- folglich musste ein neues Logo her. Allein 100.000 Euro investierte die
Bundesagentur in den Entwurf und Broschüren mit dem neuen Logo. Dazu kamen
weitere 358.000 Euro für neue Dienstsiegel, Stempel und Amtsschilder.
Der Steuerzahler staunte nicht schlecht. Abgesehen von der Farbgebung
unterscheidet sich das neue Logo kaum von dem alten.
German TV
Ein Projekt, mit dem die rot-grüne Bundesregierung die "mediale Außendarstellung Deutschlands" aufpolieren und weltweit über Ereignisse in Deutschland berichten wollte. Doch was Anfang 2002 mit einer einmaligen Anschubfinanzierung von 20 Mio. Euro ins Rollen gebracht werden sollte, droht dauerhaft am Tropf der Steuerzahler zu hängen. Das befürchten zumindest der Bund der Steuerzahler und der Bundesrechnungshof. Bei 70.000 Abonnenten hätte sich die Sache gerechnet - im Herbst vergangenen Jahres hatte "German TV" 10.000 Abonnenten.
Doch auch die Grünen im Bundestag fragten inzwischen skeptisch, worauf sich denn die Hoffnung für die notwendigen 70.000 Abonnenten gründe, wo es doch der schon seit fünf Jahren sendende französische Fernsehsender bisher nur auf 7.000 Abonnenten gebracht hat. Immerhin scheint die Politik jetzt zu begreifen, dass keine weiteren Subventionen von "German TV" gerechtfertigt sind.
Kernkraftwerk Stade
Die Abschaltung des Kernkraftwerkes wollte das Bundesumweltministerium gebührend
feiern. 41.823 Euro kostete allein die "Atomausstiegsparty", zu der
zahlreiche Politiker, Vertreter von Umweltverbänden und der Wirtschaft, sowie
Journalisten und der Schauspieler Manfred Krug mit seiner Band geladen waren.
Weitere Steuergelder investierte das Ministerium für PR-Maßnahmen zu diesem
Anlass. Unter dem Strich musste der Steuerzahler 272.000 Euro für das
Schulterklopfen anlässlich der Abschaltung berappen.
"Helix-Turmfischpass"
Eine Gewässerrichtlinie der EU zwang die kleine Gemeinde Raisdorf
(Schleswig-Holstein) dazu, eine Wendeltreppe für Fische zu bauen. Seit 100
Jahren wird in dem Fluss Schwentine Wasser gestaut, um ein kleines Kraftwerk zu
betreiben. Laut der EU-Richtlinie sollen Tiere die Möglichkeit haben, auf beide
Seiten eines Staudamms zu gelangen. Also baute die Gemeinde eine 6,50 hohe
Wendeltreppe (den Helix-Turmfischpass), durch die Fische und andere Wassertiere
den Stamm überwinden können. Das Problem: Kaum ein Tier nutzt das 550.000 Euro
teure Bauwerk, weil nur auf einer Seite des Staudamms geeigneter Lebensraum ist.
Bremen
Er sollte als wichtigstes Zukunftsprojekt die touristische Attraktivität und
die Wirtschaftskraft Bremens stärken - der Space-Park auf dem Gelände der früheren
Werft AG Weser in Bremen-Gröpelingen. Doch nachdem sich schon keine Mieter für
das überdimensionierte, 44.000 Quadratmeter große Einkaufscenter fanden,
schließt jetzt auch der Weltraum- Erlebnispark "Space-Center" nach nur
zehnmonatiger Betriebszeit. Der nach eigenen Angaben "größte
Indoor-Erlebnispark Europas" fand bei weitem nicht den Gäste-Zuspruch, der in
einer Größenordnung von 1,4 Mio. Besucher pro Jahr unter anderem aus
Nordrhein-Westfalen und Holland erwartet wurde. Die Gesamtinvestitionen in Höhe
von rund 670 Mio. Euro haben neben einer privaten Großbank zu einem gehörigen
Teil die Bremer Steuerzahler finanziert. Für die öffentliche Infrastruktur
(Erschließung und Verkehrswege) stellte Bremen 102,5 Mio. Euro bereit. Öffentliche
Investitionszuschüsse an den Investor waren in Höhe von 37,8 Mio. Euro
bewilligt (einschließlich der Mittel für die Kapitalrücklage der Space-Park
KG).
Schließlich erhielt die Betreibergesellschaft des Space-Centers
einen Kredit von 40 Mio. Euro, der größtenteils in die Anschaffung von
Fahrgeschäften floss und aus bremischer Sicht nach dem defizitären Betrieb
wohl abgeschrieben werden muss. Rechnet man noch Steuergelder von 5,1 Mio. Euro
für Marketingmaßnahmen und einen undurchsichtigen 13,3-Millionen-Euro-Kredit
einer städtischen Tochtergesellschaft hinzu, der später in eine 10-prozentige
Beteiligung an der Space-Park KG umgewandelt wurde und heute fast ohne Wert ist,
dann beläuft sich das Finanzengagement der öffentlichen Hand auf 198,7 Mio.
Euro.
Ob überhaupt und wie viel von dieser Summe durch eine nun von der Bremer
Politik angestrebte Neueröffnung unter neuem Konzept gerettet werden kann,
steht in den Sternen.
"Krötentunnel" für 225.000 Euro
Im ländlichen Norden Berlins wurde im Frühjahr 2004 ein 225.000 Euro teures
Amphibien-Leitsystem (oder auch "Krötentunnel") mit fünf Tunnelröhren
gebaut, damit Amphibien jeglicher Art im Frühjahr gefahrlos eine kleine Straße
überqueren können. Die Aktion löste weltweites Schmunzeln aus, neben CNN und
Reuters war die Geschichte auch Redaktionen aus China, Japan oder Südafrika
einen Bericht wert. Das eigentlich Skandalöse ist nach Meinung des Bundes der
Steuerzahler jedoch, dass die schon an der Straße installierten und wesentlich
preiswerteren Methoden mit mobilen Zäunen, eingegrabenen Eimern und
ehrenamtlichen Helfern für die neuen "Krötentunnel" aufgegeben wurden.
Busspur oder doch keine Busspur?
Im Rahmen des rund 3 Mio. Euro teuren Straßenausbaus der Iburger Straße in der
Stadt Osnabrück sahen die seit 1994 zwischen Rat und Verwaltung abgestimmten Pläne
auch die Einrichtung von Busspuren vor. Doch die Farbe der Busspur-Markierungen
war noch nicht ganz getrocknet, da wurde die vierspurige Fahrbahn bereits wieder
für den Individualverkehr ummarkiert. Kostenpunkt: rund 10.000 Euro.
Wie es dazu gekommen war? Noch während der Ausbauarbeiten hatte die
CDU/FDP-Ratsmehrheit trotz Bürgerprotesten beschlossen, die Busspur aufzuheben.
In einer sechsmonatigen Testphase sollten nun zunächst statistische Kenntnisse
über den Verkehrsfluss der Pkw und Busse gewonnen werden. Und falls es zu
Problemen kommt, werden nach der sechsmonatigen Probephase wieder die Busspuren
für ein weiteres Halbjahr eingerichtet.
Finanzämter: 900 Mio. für fehlgeschlagen
Vernetzung
Zu einem Fiasko entwickelt sich "FISCUS", eine seit 1991 laufende Bund-Länder-Initiative
zur digitalen Vernetzung der Finanzverwaltung und Entwicklung
bundeseinheitlicher Software. Gut 13 Jahre nach Projektstart ist das Ziel immer
noch nicht erreicht. Zudem sind die Kosten explodiert: Statt der ursprünglich
geplanten 170 Mio. Euro sollen der Bund und die Länder bislang bis zu 900 Mio.
Euro an Steuergeldern in das Projekt gesteckt haben. Als erstes Bundesland stieg
mittlerweile Bayern aus dem Projekt aus, nachdem der Bayrische Oberste
Rechnungshof im Jahr 2000 ein vernichtendes Urteil über "FISCUS" fällte:
Die Kosten würden um ein Vielfaches steigen, aufgrund erheblicher Mängel in
der Projektorganisation und Projektabwicklung und der zeitaufwendigen föderalen
Abstimmungsprozesse. Inzwischen sind die Finanzministerien endgültig vom ursprünglichen
Projekt abgerückt und suchen nach einer anderen Lösung für einen
koordinierten Datenaustausch unter den 650 deutschen Finanzämtern. Fazit des
BdSt: Sehenden Auges wurden 13 Jahre lang Millionen versenkt für ein aus dem
Ruder gelaufenes Software-Projekt.
Prunkbau mit Mängeln
Der von Stararchitekten entworfene und für rund 80 Mio. Euro gebaute gläserne
Palast der Landesversicherungsanstalt in Lübeck leidet unter erheblichen Baumängeln.
So sollten beispielsweise eine rund 2 Mio. Euro teure Beschattungsanlage aus Außenjalousien
und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem für ein angenehmes Raumklima im Gebäude
sorgen. Doch die Beschattungsanlage hat ihre Tücken: Ab Windstärke 4 kann sie
nicht mehr voll genutzt werden, da sich die Jalousien aufblähen und zu zerreißen
drohen.
Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen - an heißen Tagen herrschen in einigen Büros
Temperaturen von bis zu 30 Grad - kaufte die Landesversicherungsanstalt
Innenjalousien für rund 400.000 Euro. Das mangelhafte Belüftungssystem müsste
für etwa 1 Mio. Euro nachgebessert werden, damit es im geplanten Umfang
funktioniert.
Abriss nach Sanierung
Die Spandauer-Damm-Brücke in Berlin - Seit 1990 ein Ort an dem Millionen
verbaut wurden: 1990 Teilinstandsetzung; 1997 Test eines neuen Belages; 1997/
1998 Grundsanierung der Brücke; 1999/2000 Abrissarbeiten an der Brücke; 2000
Notinstandsetzung, da Fahrbahnen abgesackt waren. Auch im Jahr 2003 entschied
sich das Stadtentwicklungsressort für eine erneute Sanierung der Brücke,
obwohl sich Experten und auch der mitfinanzierende Bund aus technischen Gründen
für einen kurzfristigen Neubau im Jahr 2006 ausgesprochen hatten. Während der
Arbeiten wurden dann aber so starke Schäden an der Brücke festgestellt, dass
sich eine Sanierung nicht mehr lohnte. Im Jahr 2004 mussten die
Sanierungsarbeiten eingestellt werden und ein Neubau der Spandauer-Damm-Brücke
wurde beschlossen. Die Sanierungsarbeiten wurden für rund 500.000 Euro notdürftig
abgeschlossen und bis 2006 wird die Brücke dann wieder abgerissen.
Literarisch wertvolle Tourismusbroschüre
Ein Beispiel aus der Rubrik "Kleinvieh macht auch Mist": Um ihren
internationalen Besuchern gerecht zu werden, wollte die nordhessischen
Kreisstadt Homberg (Efze) eine Tourismusbroschüre ins Englische übersetzten.
Da jedoch Zeit und Geld gespart werden sollten, wurde der Text durch ein
Computer-Übersetzungsprogramm gejagt und dann unkorrigiert in den Druck
gegeben. Jedoch waren bei der Computerübersetzung einige wahre Stilblüten wie
"free bath" für "Freibad" oder "boss matter" für
"Chefsache"
entstanden, weshalb die bereits gedruckten 7.500 Exemplare gleich wieder
einstampft wurden. Herstellungskosten der unbrauchbaren Broschüre: 3.538 Euro.
"Schubladenaffäre" im Standesamt der
Stadt Hagen
Im Dezember 2003 fanden Rechnungsprüfer der Stadt Hagen in zwei Schubladen des
Standesamtes 127.439,19 Euro an Trauungsgebühren. Diese hatte ein
Standesbeamter sieben Jahre dort gehortet, da er es aus Überlastung nicht
geschafft habe, die Gelder an die Stadtkasse zu überweisen.
Für eine persönliche Bereicherung gibt es nach Angaben der Stadt zwar keine Hinweise, Schaden hat der kommunale Etat dennoch genommen: Die Stadt geht von einem Zinsverlust von rund 17.000 Euro aus. Die Schuld trifft dabei aber auch Amtsleiter und Stadtverwaltung, da die Amtsleiter zu laufenden Kontrollen und einer mindestens einmal jährlich stattfindenden unvermuteten Kassenprüfung verpflichtet sind. Diese hatte es jedoch nicht gegeben.
Bremen: Ein Senkpoller sorgt für Ärger
1997 wurde beim Theater am Goetheplatz ein versenkbarer Poller eingebaut. Die
Kosten hierfür waren ursprünglich mit 25.600 Euro veranschlagt. Die tatsächlichen
Kosten beliefen sich aber auf 40.100 Euro, wobei insbesondere ein unterirdischer
Ölauffangbehälter für das Hydrauliköl sehr kostensteigernd wirkte. In der
Folgezeit häuften sich zudem die Funktionsstörungen, wahrscheinlich auch
deshalb, weil das empfindliche Gerät bis 2001 nicht gewartet wurde. Bei einer
Überprüfung durch die Bremer Straßenbehörde wurde dann festgestellt, dass
die Hydraulikpumpe defekt war. Der elektrisch betriebene Poller fuhr
unkontrolliert aus seinem teuren Fundament hoch und beschädigte dabei mehrere
Autos.
Da eine Reparatur wegen zu hoher Kosten nicht in Frage kam, entschied sich die
Theater-Geschäftsführung schließlich, mit eigenen Mitteln in Höhe von rund
2.300 Euro den Poller auszubauen und eine Schranke setzen zu lassen. Die
Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende: Bremens Steuerzahler werden auf
unabsehbare Zeit jährlich rund 2.400 Euro an Zinsen für den kreditfinanzierten
Poller zahlen müssen.
Fazit des BdSt: Eine Wegschranke hätte den gleichen Zweck erfüllt und wäre
mit rund 5.100 Euro wesentlich günstiger gekommen.
Unnötiger Schilderwald
Die Professor-Messerschmitt-Straße in der Gemeinde Neubiberg ist ein schönes
Beispiel für behördliche Regulierungswut. Da der rund 200 m lange Parkstreifen
aus gestalterischen Gründen durch Pflanzinseln unterbrochen ist, ließ die
Gemeinde jeden einzelnen Parkplatz mit einem eigenen Parkplatzhinweisschild bestückte
? insgesamt 24, gleichsam wie "Hühner auf der Stange". Die Kosten für
diesen Schilderwald von "nur" 1.316 Euro hält die Bürgermeisterin der
Gemeinde durchaus für zweckmäßig, da die Parkregelung nun für die
Verkehrsteilnehmer in jedem Fall eindeutig und unmissverständlich sei.

Und noch ein paar Fälle aus den Schwarzbüchern der Jahre vor 2004
Hildesheim: Das städtische Museum wollte sich mit der
Ausstellung Napoleon Bonaparte - Zar Alexander I., Epoche zweier Kaiser ganz groß
präsentieren. Doch die vom Steuerzahler mit 1,6 Millionen Euro finanzierte
Exposition machte 600.000 Euro Verlust. Einer der Gründe: Zur
Auftaktveranstaltung am 4. Oktober 2002 hatte das Museum zu einer Luxusgala mit
Gästen wie Nadja Abd el Farrag, kurz Naddel, und Winnetou-Darsteller Pierre
Brice eingeladen. Allein das Büfett für die 300 Gäste kostete über 34.000
Euro.
Aschaffenburg: Einen beachtlichen Anteil an der Steuerverschwendung im
Jahr 2002 hat das Projekt Lärmschutztunnel der Autobahn 3 zwischen den
Abfahrten Aschaffenburg-Ost und Hösbach geliefert. Die beiden Lärmschutzwände
rechts und links der Piste wurden mit einem transparenten Dach versehen, obwohl
Lärmschutzwände ausgereicht hätten, wie Däke urteilte. Der Ausbau des Teilstücks
insgesamt kostete den Bund Däke zufolge 113,5 Millionen Euro.
Hessen: Ein Kommandant der Bundeswehr im hessischen Schwarzenborn wollte
mit seinen Kameraden mal so richtig feiern. Dazu ließ er auf dem Truppenübungsplatz
einen Party-Pavillon bauen, für dienstliche Veranstaltungen geselliger Art. Das
Material des Schwarzbaus kostete allein 7600 Euro, 960 Arbeitsstunden kamen
zusammen.
Schleswig-Holstein: 7,6 Millionen Euro hat das aufwändig restaurierte Rathaus von Scharbeutz (Schleswig-Holstein) gekostet. Äußeres Zeichen des Größenwahns: ein sechsstöckiger Turm, der ohne Funktion einfach nur so dasteht. Die Gemeinde an der Ostsee hat über zehn Millionen Euro Schulden angehäuft. Allein der Bau des Turms hat 150.000 Euro verschlungen. Er soll den Mittelpunkt der Gemeinde symbolisieren rechtfertigt sich der Bürgermeister.
Tatort Verl im Kreis Gütersloh: Auch hier machte sich
das süße Gift der Subventionitis breit. 39 Bushaltestellen wurde modernisiert
- mit beleuchteten Wartehäuschen und Fahrradständern ausgestattet. Um in den
Genuss der 90-prozentigen Landesförderung zu kommen, mussten die Gemeinden
einen Mindeststandard einhalten und so zum Beispiel Radständer nehmen,
ungeachtet, ob jemals ein Radfahrer an diesen Haltestellen auf den Bus umsteigt.
Bei vielen dieser Bushaltestellen sei dies fraglich, so der Bund der
Steuerzahler. Rund 9000 Euro kosteten die Luxus-Haltestellen.
Nordrhein-Westfalen: Mit einer schwebenden Variante des roten Teppichs
werden die Besucher des Dortmunder Konzerthauses empfangen. Verlassen die
Musikliebhaber das nahe liegende Parkhaus, schreiten sie unter einem 90 Meter
langen Glasdach bis zum Eingang der so genannten Konzerthauspassage. Die
Dortmunder Steuerzahler bleiben allerdings im Regen stehen, denn die 51 Tonnen
Stahlkonstruktion mit ihrer 370 Quadratmeter Glasfläche und eingebauter
Beleuchtung hat rund 400.000 Euro gekostet. Ein extrem teurer Ersatz für
Regenschirme, findet der Bund der Steuerzahler.
Niedersachsen: Die Fortbildungsmaßnahme für Lehrer stand unter dem
akademischen Titel Tourismus im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie -
Entwicklung eines nachhaltigen Umweltkonzeptes am Beispiel des
Tui-Umwelt-Iberotels Sarigerme Park. In Wirklichkeit war es eine - mehr oder
weniger - Vergnügungsreise für Beamte in die Türkei. Die sieben niedersächsischen
Lehrer und eine Lehrkraft aus Mecklenburg-Vorpommern bekamen hohen Freizeitwert
geboten. Von den Gesamtkosten in Höhe von 4632 übernahm das Land 3288 Euro.
Des Weiteren schlugen die entfallenden Unterrichtstunden mit etwa 8000 Euro zu
Buche. Gegen drei beteiligte Staatsdiener wurden disziplinarrechtliche Schritte
eingeleitet.
Loit: Die Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg wollte zwei Fliegen mit
einer Klappe schlagen. Da sie eine Begegnungsstätte suchte und es im Ort ein
zur Zwangsversteigerung anstehendes Bordell gab, kaufte sie den Nachtclub für
240.000 Euro. Da sich die Gemeindevertreter aber nicht auf ein Nutzungskonzept
einigen konnten, stand das Gebäude seit Februar 2001 leer, beklagte der
Steuerzahlerbund.
Itzehoe: Hier kostete ein Parkhaus 2,2 Millionen Euro und steht fast
leer. Selbst in Spitzenzeiten parken hier kaum 100 Autos bei einer Kapazität
von 600. Dafür genießen die Inline-Skater die für sie paradiesischen Zustände.
Schon die übrigen 3500 Parkplätze rund um die Innenstadt von Itzehoe seien nie
voll ausgelastet, hieß es.
Schleswig-Holstein: Auf Kritik stieß auch, dass 22 Polizisten
Zusatzqualifikationen als Sanitäter oder sogar Masseure erhielten. Hier könnte
man mit Fachangestellten 150.000 Euro im Jahr sparen. Erfreuliches habe es aber
auch gegeben: So werde der Bau einer Gesamtschule in Pansdorf (Kreis
Ostholstein) mit 20 Millionen Euro um 10 Millionen billiger als geplant.
Wiesbaden: Mehr als 30 Jahre erbrachte das Kommunale Gebietsrechenzentrum
(KGRZ) in Wiesbaden Dienstleistungen in den Bereichen Personalabrechnungen,
Melde- und Finanzwesen für drei Landkreise sowie vierzig Städte und Gemeinden.
Doch anstatt sich wie die übrigen vier hessischen Rechenzentren unter der
Holding ekom21 zu vereinigen, wollte Wiesbaden, trotz eines viel zu kleinen
Gebietszuschnittes, seinen eigenen Weg gehen. Doch die Umsetzung endete in einem
Fiasko.
Begonnen hat es mit der Berufung von Werner Stich,
Abteilungsleiter eines Softwareunternehmens, zum Geschäftsführenden Direktor
von 1995 bis 2000. Mit seinen Ideen, die "System Informationstechnologie
Consulting GmbH" (SIC) zu gründen, die Geschäftsfelder und den Kundenkreis
zu vergrößern und in neue Technologien zu investieren, fand er bei allen
Beteiligten Gehör. Doch bei der Umsetzung wurde auf die notwendige Kontrolle völlig
verzichtet. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung des äußerst personal- und
kostenintensiven SAP/HR Moduls für das Personalwesen. Inzwischen sieht der
damalige Vorstandsvorsitzende und spätere Geschäftsführende Direktor des KGRZ
Harald Schindler darin "die Entwicklung eines Mercedes der S-Klasse, den man
in kleinen Kommunen gar nicht einsetzen kann". Ein weiteres Beispiel ist die
Entwicklung der Personalausgaben, die Schindler inzwischen als einen "fürstlicher
Stellenplan mit zig Leuten nach A 15" bezeichnet. Einhergehend mit einer
Ausweitung des Personals sorgte der Geschäftsführer auch für die Anschaffung
von 19 Dienstwagen. Das Ergebnis der Expansionspolitik wurde dem Vorstand aber
angeblich erst im Jahr 2000 bewusst, da man sich bis dahin nur auf die
vorgelegten Bilanzen des Geschäftsführers verlassen hatte. Doch die Misere hätte
viel früher erkannt werden müssen. So stiegen zwar die Erträge (ohne
Landeszuschüsse) von KGRZ und SIC kontinuierlich von 1997 bis 2000 von 7,5 auf
11,8 Mio. Euro im Jahr, aber im gleichen Zeitraum explodierten die Aufwendungen
von 11,2 auf 19,3 Mio. Euro, ohne die geplante Gebietserweiterung realisieren zu
können. Allein im Jahr 2000, als man sich von dem Geschäftsführer trennte,
betrug das Jahresdefizit 6,4 Mio. Euro. Jetzt wird das KGRZ abgewickelt.Der von
den beteiligten Landkreisen, Städten und Gemeinden zu tragende Schaden wird auf
33 Mio. Euro beziffert.
Halle: Zusätzliche Kosten im sechsstelligen Bereich sind die Folge eines
per Ratsbeschluss 1997 festgelegten Kaufs eines Feininger-Gemäldes für die
westfälische Stadt Halle. Die Halleschen Stadtväter hatten dem Kauf des Bildes
1998 für 1,5 Millionen Euro unter der Voraussetzung gebilligt, dass aus der
Stadtkasse nicht mehr als 100 000 Euro dafür aufzubringen wären. Der Rest müsse
über Zuschüsse Dritter und Sponsoren beglichen werden. Dabei standen fünf
private Spender sogar schon namentlich fest.
Leider kam das Geld nicht in der erhofften Höhe herein. Auf 726 000 Euro
wartete der Kulturdezernent im Frühjahr 2001 noch immer. Zwar sind inzwischen
noch ein paar Tausender eingegangen, am Ende aber musste der verbliebene Rest für
dieses Kunstereignis aus dem Haushalt der Stadt, eben vom Steuerzahler,
beglichen werden. Tröstlich mag sein, dass der Gemäldekauf offenbar ein echtes
Schnäppchen war, da das Bild nach neuerlichem Gutachten einen Marktwert von
mindestens drei Millionen Euro haben soll. Das ändert aber nichts an der
Tatsache, dass der Stadtrat einen Kauf auf Spendenerwartungen tätigte und damit
gegen die Haushaltsordnung verstieß.
Vlotho: 4,35 Millionen Euro und keinen Cent mehr hatte der Rat der Stadt
Vlotho für die Erweiterung des Weser-Gymnasiums genehmigt. Doch widrige Umstände,
Fehleinschätzungen und Extrawünsche trieben die Kosten in die Höhe. Um sie im
gesetzten Rahmen zu halten, hatten Rat und Schulleitung die ursprünglichen Pläne
kräftig abgespeckt - und wichen doch mehrfach wieder von den eigenen Sparideen
ab. Höherwertige Fenster als vorgesehen schlugen mit 490 000 statt mit 270 000
Euro zu Buche. Statt alte Türen aufarbeiten zu lassen, wurden neue Türen
gekauft. Der erst gestrichene Sonnenschutz wurde doch angeschafft, Mehrkosten:
50 000 Euro. Der Verzicht auf die Toiletten im Dachgeschoss wurde rückgängig
gemacht.
Ein Unglück ging auf eine eklatante Fehleinschätzung des Architekten zurück:
An einem Freitag ließ er das Dach abdecken und die Baustelle wegen des Aufwands
einer Zeltkonstruktion ungeschützt. 2000 Quadratmeter lassen sich nicht so
einfach abdecken, das ist Laiendenken, meint der Architekt, der so schon früher
gearbeitet habe und sagt: Da hatten wir Glück.
Beim Weser-Gymnasium hatte er Pech. Am Wochenende regnete es in
Strömen, und die Schule lief bis ins Erdgeschoss voll Wasser. Der sich rasant
ausbreitende Schimmelpilz zwang die Schulleitung, das Gebäude zu schließen und
die Stadt, gleich die gesamte Decke zu entfernen. Die Stadt beauftragte zwei
Gutachter und ließ das Dach provisorisch abdichten. Kosten: 23 000 Euro für
die Abdichtung, 20 000 Euro für die nicht geplanten Gutachten. Zudem gab es
Probleme mit den beauftragten Firmen: Mehrere gingen während der Arbeiten in
Konkurs, andere erfüllten die Aufträge nicht fachgerecht. Auch das führte zu
Mehrkosten von zigtausend Euro.
Und dann die Geschichte mit dem Untergrund. Der musste verbessert werden. Doch
statt erst die Hohlräume zu verfüllen und dann Beton einzuspritzen, wurde
sofort der Beton eingefüllt. Der floss in die nicht verfüllten Hohlräume, und
der Druck sprengte die Bodenplatte. Der Schaden wurde behoben, der Untergrund
weiter planmäßig verbessert. Erst nach Monaten, als die Wasser- und
Abwasserrohre in Betrieb genommen werden sollten, stellte man fest, dass der
Beton auch in die Rohre eingedrungen war, so dass die Grundleitungen ersetzt
werden mussten. Die Mehrkosten für die unplanmäßig erweiterte EDV-Ausstattung
und der Streit um das Architektenhonorar kommen dann auch noch dazu. Derzeit
rechnet die Stadt mit Gesamtkosten von 5,9 Millionen Euro.
Dabei wird es wohl nicht bleiben: Im nächsten Schritt sollen die Nebenräume
der alten Sporthalle und die Außenanlagen saniert werden.
Herford: Meine Frau, mein Auto, mein Haus. Ein Landwirt aus Herford kann
diese Aufzählung aus der Werbung um einen Posten erweitern: Meine Brücke.
Denn mit dem Ausbau der Ortsumgehung Herford wird eine Brücke über die
Bielefelder Straße gebaut, damit der Landwirt seine Felder mit dem Trecker
erreichen kann. Zu diesem Zweck erhält die 23 Meter lange Brücke drei Rampen
von je 100 Meter Länge, die auf unterschiedliche Grundstücke führen.
Damit nicht genug: Im Bereich der Brücke muss die Bielefelder Straße um rund
2,50 Meter tiefer gelegt werden, um das Bauwerk überhaupt aufstellen zu können,
so der Landesbetrieb Straßenbau laut Westfalenblatt. Rund 400 000 Euro kostet
die ganze Angelegenheit den Bund - 300 000 Euro für die Brücke, 100 000 Euro für
die nötigen Straßenbauarbeiten.
Eine preisgünstigere Lösung hat sich nicht finden lassen. Eine Unterführung
scheiterte an den Einwänden der Anwohner. Eine Zufahrt auf die Bielefelder Straße,
von der aus die Felder erreicht werden könnten, verbiete sich aus Sicht der
Verkehrssicherheit und des Verkehrsflusses, so der Landesbetrieb Straßenbau.
Eine Überquerung der Straße mit einer Ampel sei wegen der Nähe der
Anschlussstelle B 239/B 61 und des Knotenpunktes B 61/L 923 nicht verantwortbar.
Und so manifestiert sich in Herford das Sprichwort, jemandem goldene Brücken zu
bauen.
Wasserkuppe: Der Bau des Rhön-Informationszentrums auf der Wasserkuppe
(Landkreis Fulda) ist um ein Drittel teurer geworden als geplant. Was ursprünglich
mit 645 000 Euro im Haushaltsplan des Landkreises auftauchte, kostete letztlich
gut 854 000 Euro. Die außergewöhnlichen Anforderungen an die Bauausführungen
unter Berücksichtigung der speziellen Wetterdaten seien zum Zeitpunkt der
Kostenschätzung nicht sichtbar gewesen, heißt es im Landratsamt. Dagegen
offenbart ein genauerer Blick auf die Kostenblöcke, dass die Planung ebenso
mangelhaft wie kurzsichtig war.
Da gab es Wünsche für besseres Mobiliar in Höhe von 21 230 Euro, und die
Baunebenkosten von 23 000 Euro sowie der Grundstückskauf und die Parkplatzablöse
wurden ganz vergessen. So richtig teuer kam der Mehraufwand für die
Dachkonstruktion - die Zusatzkosten von ca. 69 000 Euro fielen wegen der
besonderen Witterungsverhältnisse auf der Wasserkuppe an. Doch dass es auf der
950 m hohen Wasserkuppe kräftig bläst und im Winter heftig schneit, hätte man
als bekannt voraussetzen können.
Fritzlar: Beim Auftun neuer Einnahmequellen ist man im hessischen
Fritzlar übers Ziel hinaus geschossen. Da bei einer Straßenerschließung im
Stadtteil Ungedanken unbedingt ein bestimmtes Grundstück mit einbezogen werden
sollte, kam den Stadtverordneten folgende Idee: Weil das Grundstück durch einen
schmalen Grünstreifen von der Straße getrennt ist, muss man einfach einen
Zugang schaffen. Gesagt, getan.
:
Mit einer Betontreppe für ca. 2000 Euro schloss die Stadt das Grundstück an.
Aber das hatte Folgen: Denn mit dem Bau wurden für den Grundstückseigentümer
Erschließungsbeiträge von ca. 10 000 Euro fällig, weil ihm die Treppe die
Straßennutzung ermöglicht. Nach dem Bau kamen den Stadtpolitikern dann doch
noch massive Zweifel. Also ruderten sie zurück und ließen die Treppe wieder
abbauen - was noch einmal rund 1000 Euro kostete.
Staufenberg: Fehleinschätzungen des Hessischen Finanzministeriums beim
Verkauf der landeseigenen Unterburg in Staufenberg kosteten die Steuerzahler
rund 900 000 Euro. Dabei war die Idee eigentlich vernünftig. Weil das Land kein
eigenes Burghotel braucht, sollte die Immobilie verkauft werden. Dem langjährigen
Pächter und über 30 Angestellten wurde vorsorglich gekündigt. Als die Pächter
sich bereit erklärten, beim Höchstangebot von 1,12 Millionen Euro mitzuhalten,
lag plötzlich - angeblich - ein neues Gebot über 1,44 Millionen Euro auf dem
Tisch. Doch die Interessenten zogen das höhere Gebot kurz darauf wieder zurück.
Bald danach erhielten die ehemaligen Pächter das Angebot, die Burg sofort für
1,33 Millionen Euro zu kaufen. Doch auch daraus wurde nichts. Es tauchte plötzlich
ein Wertgutachten auf, das den Wert der Immobilie auf ca. 1,8 Millionen Euro
taxierte, abzüglich bestehender Mängel im Wert von 307 000 Euro. Das konnten
sich die Pächter aber nicht mehr leisten - sie machten den Betrieb im September
2001 dicht.
Seither muss das Land für Unterhalt und Bewachung des verwaisten Burghotels
bezahlen, über 144 000 Euro sind schon in den Sand gesetzt. Außerdem fehlen
seit einem Jahr die Pachteinnahmen. Inzwischen schätzt das Hessische
Finanzministerium die Sanierungs- und Renovierungskosten auf rund eine Million
Euro. Als jetzt ein neues Gutachten nur noch einen Verkehrswert von 565 000 Euro
ermittelte, erhielt ein anderer Kaufinteressent den Zuschlag - für 500 000
Euro.
Schöllnach: In der Verwaltungsgemeinschaft Schöllnach in Niederbayern
sammelte ein öffentlich Bediensteter innerhalb von vier Jahren sage und
schreibe 1400 Minusstunden an. Das Gehalt floss dennoch in voller Höhe weiter.
Nächste Überraschung: Die Schlamperei war dem Verwaltungschef bekannt.
Passiert ist allerdings nichts, obwohl sich der Angestellte während der letzten
vier Jahre rein rechnerisch gesehen acht Monate irgendwo befand, nur nicht an
seinem Arbeitsplatz.
Das Landratsamt Deggendorf missbilligte diese Nachlässigkeiten: Der
Berufsurlauber hat sich schließlich verpflichtet, die fünfstellige
Sonderzahlung in monatlichen Raten abzustottern.
München: Wohin bloß mit Mänteln, Schirmen, Aktentaschen ...? Die
Generaldirektion der Bayerischen Staatsbibliothek fand die Lösung: Im Dezember
1997 sollte eine elektronisch gesteuerte Garderobenanlage eingebaut werden.
Dabei wollte man vor allem die Kosten für Garderobenfrauen einsparen - jährlich
rund 40 000 Euro. Die High-Tech-Garderobenanlage verschlang 120 000 Euro. Um
jedem Besucher eine sofortige Benützung der Garderobenanlage zu ermöglichen,
hielt man 600 Magnetkarten bereit.
Die Benutzer sabotierten die Technik dieser Anlage von Anfang an. So fehlten
schon nach 14 Tagen ca. 100 Kleiderbügel, die über das ganze Haus verstreut
waren und fast 500 Magnetkarten. Die Magnetkartenleser wurden von besonders
Findigen mittels Einschieben von Karton oder Holzteilen blockiert. Um derartigen
Vandalismus künftig auszuschließen, stellte man die Kartenleser auf
Benutzerausweise um - was die Akzeptanz nicht erhöhte.
Zuletzt nahmen täglich nur noch etwa zehn bis 20 Benutzer die Garderobenanlage
in Anspruch. Nach knapp vier Jahren zog man schließlich die Konsequenzen und
baute die Selbstbedienungsgarderobe im Oktober 2001 wieder ab. Die neue Lösung:
Man beschaffte über 400 Schließfächer, zum Preis von 43 648,54 Euro.
Bremen: Wie eine Stadt innerhalb von nur drei Jahren beim Ver- und Rückkauf
eines Hafengrundstücks rund 2,77 Millionen Euro versenken kann, hat Bremen
vorexerziert. Anfang 1999 wurde ein etwa 110 000 Quadratmeter großes Grundstück
für 2,85 Millionen Euro veräußert. Die Firma Dittmeyer plante eine moderne
Produktionsanlage.
In der Hoffnung, Onkel Dittmeyer werde dauerhafte Arbeitsplätze schaffen, gab
man das Grundstück mit Schuppen weit unter dem Verkehrswert ab. Denn die Behörden
taxierten das Gelände Anfang 1999 auf immerhin 8,08 Millionen Euro.
Die Hoffnung auf Onkel Dittmeyer trog. Im August 2001 ging die
Unternehmensgruppe Pleite. Am Grundstück war die Bremer Stadtentwicklung aber
nach wie vor stark interessiert. Zwar hatte sich die Stadt ein Rückkaufsrecht
im Falle der Insolvenz vertraglich gesichert. Jedoch hätte man bei Ausübung
des Rückkaufsrechts alle von Dittmeyer getätigten Investitionen entschädigen
müssen, immerhin 22 Millionen Euro. So verzichtete die Stadt auf ihr Recht.
Stattdessen einigte man sich mit dem Insolvenzverwalter auf den Wiederankauf des
Hafengrundstücks zum Preis von 5,62 Millionen Euro. Das sind besagte 2,77
Millionen Euro mehr, als die Stadt drei Jahre zuvor für den Verkauf des selben
Grundstücks erhalten hatte. Unerklärlich, warum Bremen im Jahr 1999 den Grund
so billig verhökerte und zusätzlich noch eine Rückkaufsklausel akzeptierte,
nach der die nutzlosen Dittmeyer-Investitionen voll zu entschädigen waren.
Schwerin: Über viele Jahre hatte es ein heftiges Gerangel um den Neubau
der Landeszentralbank (LZB) in Schwerin gegeben. Da der Erfolg viele Väter hat,
fanden sich Anfang April 2002 eine große Zahl Prominenter ein, um dem ersten
Spatenstich beizuwohnen.
Diesem freudigen Ereignis folgte dann Mitte Mai der Paukenschlag. Bundesbank
stoppt Millionenbau in Schwerin meldete die örtliche Tageszeitung. Inzwischen
war die LZB in Hauptverwaltung für Hamburg, Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern umbenannt.
Doch nicht nur diese Namensänderung führte zum Stopp des 24-Millionen-Euro
teuren neuen Filialgebäudes: Eine Neuordnung zur Bundesbank-Struktur gab den
eigentlichen Ausschlag. Mit dieser Entscheidung bestätigte sich die Kritik vom
Steuerzahler-Bund nach knapp drei Jahren: Vor Baubeginn müsse erst das angekündigte
Gutachten zur LZB-Neustruktur vorliegen. Von den geplanten Kosten von 24
Millionen Euro wurden für die Sechs-Wochen-Baustelle bereits vier Millionen
Euro verpulvert.
Gotha: Die Thüringer Residenzstadt sanierte in den Jahren 2000/2001 die
Fahrbahn der B7 im Bereich Mönchallee/Weimarer Straße komplett. Obwohl die B7
eine wichtige überörtliche Verkehrsbedeutung hat und bei Staus auf der nahen
A4 zusätzlichen Verkehr verkraften muss, schränkte man die Verkehrsfläche in
der Kurve ein. Dies war nach dem Regelwerk von 1993 zulässig.
LKWs mit Anhänger hatten Schwierigkeiten in der Kurve aneinander vorbei zu
fahren, die Seitenstreifen mussten teilweise mitbenutzt werden.
Im Jahr der Fertigstellung der Baumaßnahme 2001 erließ das
Bundesverkehrsministerium eine neue Planungsrichtlinie zu Schleppkurven. So
entsprach die neue Kreuzung nicht mehr den höheren Anforderungen. Das zuständige
Straßenbauamt Mittelthüringen musste daraufhin die Kurve verbreitern lassen. Für
diese Korrekturen hatte der Steuerzahler 33 000 Euro zu berappen.
Saarbrücken: Die Gesellschaft kommunaler Entsorgungsbetriebe GKE in
Saarbrücken gehört zu 82 Prozent sieben saarländischen Städten. Den Rest
halten private Müllentsorger. Die GKE betreibt das Einsammeln und Vermarkten
von Recycling-Abfällen, also des Mülls aus den gelben Säcken. Eine Tochter
der GKE mit Namen Yellow Sort kaufte 2001 eine Sortieranlage für den Inhalt der
gelben Säcke zum Preis von 3,07 Millionen Euro.
Leider fehlte schon damals die Standortgenehmigung, und es sollte auch niemals
eine geben. So wurde die Sortieranlage zwischengelagert, während man nach einem
anderen Standort suchte. Zum bösen Schluss wurde die Anlage Anfang 2002 für
0,8 Millionen Euro verkauft. Verlust: 2,3 Millionen Euro.
Hamburg: 1999 stellte die Hansestadt in Eimsbüttel einen Teilabschnitt
der Veloroute 3 fertig; der Weg führt durch die Parkanlage am
Kaiser-Friedrich-Ufer. Das war zugleich kostspielig und überflüssig, denn
genauso gut hätte man den Radweg über vorhandene Straßen und Wege führen können,
meint der Rechnungshof. Stattdessen wurde für die Park-Passage eigens eine
Radbrücke über den Isebekkanal geführt. Die rund 370 000 Euro Brückenkosten
hätte man ebenso gut gleich im Kanal versenken können.

Außerdem:
Wie wäre es, wenn Beamte des Bundeskriminalamtes mal nachforschen würden, wo
die 60 Millionen Euro für das vor 10 Jahren für das Bundeskriminalamt
bewilligte Fahndungscomputernetz versickert sind, obwohl das Netz immer noch
nicht läuft? Eine Messe ist das Tor zur Welt, wen regen da 300 Millionen auf,
mit dem die öffentliche Landesmesse in Stuttgart ihren Kostenrahmen überschritt?
